The End

Es wurde wirklich Zeit: dieser Blogeintrag wird den Blog abschließen. Nur noch mein „Extra“ zu dem Essen, was ich hier hatte, möchte ich dann ein wenig später noch anschließen.

 

 

Zuletzt habe ich ja von meinem und Josephs Aufenthalt in Beppu berichtet. Von dort aus folgte natürlich noch unsere Heimreise, die ich bisher nicht erwähnt habe. Das liegt daran, dass wir noch einen Zwischenstopp hatten.

Von Beppu aus wollten wir mit dem Bus zum Flughafen in Oita und dann nach Tokyo, Narita fliegen und dann mit dem Bus nach Tsukuba zurückkehren. Klingt doch ganz gut oder?

 

Unser Flieger ging abends, also war noch der Tag da. Wäre ich allein, was aber sowieso prinzipiell ausgeschlossen ist, hätte ich den Tag wahrscheinlich am Flughafen verbracht. Einfach nur dort rumgesessen und ein Buch gelesen. Aber ich war nicht alleine. Also besuchten wir noch ein kleines Städtchen: Kitsuki auf der Halbinsel Kunisaki.

Wir mussten in Beppu erstmal rausfinden, wie wir da überhaupt hinkommen und waren uns aucht nicht ganz sicher, ob die Zeit reicht. Aber nachdem Joseph einen Busplan studierte, war er zuversichtlich genug, um zu fahren. Ich war es zwar skeptisch, aber da das Normalzustand war, vertraute ich, wie immer, auf den Peruaner mit dem Moustache.

Der Bus fuhr wirklich lange nach Kunisaki, was meine Skepsis nährte, aber was solls. Wenn wir festsitzen, dann wenigstens zu zweit.

In Kitsuki angekommen suchten wir das Touristoffice in der Nähe des wirklich kleinen und dezent schäbigen Busbahnhofs auf.

Es saß eine alte Japanerin in Kimono drin und war sehr verwundert uns zu sehen. In der Stadt hatten schließlich sämtliche Sehenswürdigkeiten geschlossen. Es war Urlaubszeit in Kitsuki. Wir sollten auch noch feststellen, dass wenn die Leute in Kitsuki Urlaub machen, verdammt, dann machen die auch Urlaub!

Es war also ziemliches Glück für uns, dass die Kimono-Oma da war.

Sie gab uns ein paar Prospekte und erklärte uns was zu den Busfahrzeiten zum Flughafen Oita.

Mein Japanisch war zu dem Zeitpunkt schon so verkommen, dass Joseph, dessen Sprachkenntnisse von Grund auf schlecht waren, jegliches Reden übernahm. Er wollte immerhin in dem Land leben; da ist Übung der Sprache nichts verkehrtes für den Mann.

Also stiefelten wir los. Wir waren hungrig. Auch wenn einige Kombinis in Sicht waren, wie sollte es in Japan auch anders sein, wollten wir was anderes. Unsere Zeit on the rails war mit genug Kombinis verbunden gewesen.

Doch wie gesagt: wenn in Kitsuki Urlaub ist, dann ist da auch Urlaub. Die Gastronomie war gänzlich geschlossen.

Es ist nicht so, dass Kombini-Food schlecht wäre, ganz im Gegenteil. Also genossen wir wieder unsere Mikrowellen-Bentos. Das ist eines der fantastischen Dinge an Kombinis. Wenn man möchte, erwärmen sie das Essen für dich. Es gibt auch heißes Wasser für instant Nudeln undso. Besteck gibt’s auch immer kostenlos dazu.

Kombini-gestärkt begann unser Weg durch Kitsuki.

 

Die Stadt war bekannt für ihren erhaltenen Samurai-Distrikt und dafür, dass er zweigeteilt ist. Im Japanischen Mittelalter befand sich der Händler-Distrikt in der Senke zwischen zwei Hügeln, auf welchen die Samurai-Distrikte waren. Von daher wurde oft von einer Sandwitchaufteilung gesprochen.

 

Hier ein Bild von einem der Hügel zu jener Senke. Die Menschen die dort zu sehen waren, stellten sich als echte Seltenheit heraus.

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Wir wanderten dann also recht ziellos durch die alten Samurai-Distrikts und es war ausnahmslos tote Hose. Nach dem Hügel haben wir echt für eine gewisse Zeit keinen einzigen Menschen gesehen.

 

Hier von der anderen Hügelseite. Zwar habe ich die Senke nicht fotografiert aber die man erkennt die Bergie (die in real echt gut aussahen) und man sieht den Getränkeautomaten so schön. Was gehört zu einer Samuraistadt wenn nicht ein Getränkeautomat?!

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In der Umgebung befanden sich natürlich auch eine große Vielzahl an Schreinen.

Das hier ist der Eingang zu einem

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Das übliche Reinigungsbecken darf natürlich nicht fehlen; und bei diesem Schrein hatte es auch noch einen Drachen. Geradezu fantastetisch würde ich sagen.

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Der Innenhof des Schreins, von dem ich kein Foto habe, bzw. kein gutes, war zwar noch immer sehr schreinisch und alles, aber in den eigentlich religiösen Gebäuden wohnte ganz modern eine Familie und wir haben Kids gehört, die wahrscheinlich gerade lautstark an einer Konsole gespielt haben. Höchstwahrscheinlich die Nachfahren einer Priesterfamilie und bei all den Schreinen dort in der Umgebung mussten wohl nicht alle komplett tätig bleiben.

Joseph war recht fasziniert von dem angeschlossenen Friedhof und hat eine große Menge an Bildern geschossen. Zumindest zwei möchte ich davon hier präsentieren

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Dann folgten wir dem Weg bis zum Kanal. Ein netter Ausblick.

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hier mit Joseph

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Hier mit derp-me

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Man kann auf dem ersten Kanalbild unter Umständen das kleine Schloss auf der Erhebung/Klippe sehen. Wir sind dann bis dort hin gewandert.

Auf dem gar nicht mal so kurzen Weg haben wir sage und schreibe zwei Menschen gesehen. Es war wirklich sehr friedlich in diesem Ort für uns.

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Dieses Foto von dieser Stelle haben Joseph und ich fast identisch gemacht, was ich ganz witzig finde. Beide von fast der selben Position in fast dem selben Winkel. Nur das seine Kamera den Himmel nur in weiß darstellt, wieso ich mein Foto hergenommen habe.

 

Damit war Kitsuki auch schon so gut wie vorbei für uns. Wir wollten unseren Bus zum Flughafen auf keinen Fall verpassen, verständlich oder? Und so beeilten wir uns, dass wir rechtzeitig zur Bushaltestelle kommen. Wenn Joseph schon sagt, dass wir uns beeilen sollten, wir sind nicht mal zu dem Schloss hoch gegangen, dann fühle ich mich besonders gedrängt mich zu beeilen.

 

An der Bushaltestelle angekommen, hatten wir noch ein klein wenig Zeit bis unser Bus kommen sollte. Die Info zur Abfahrtszeit hat uns die Kimono-Oma aus der Touristeninformation gegeben.

Also ging ich nochmal zu Erleichterung und für einen Snack in den Kombini gegenüber der Haltestelle. Als ich wieder kam, ich habe wirklich nicht lange gebraucht, erfuhr ich von Joseph, dass gerade ein Bus in Richtung Flughafen abgefahren sei. Dann ging er auch noch mal in den Kombini und ließ sich wirklich dick Zeit. Also wirklich, er war da bestimmt 20 Minuten drin. In der Zeit kam dann noch ein weiterer Bus in Richtung Flughafen. Dem Zeitplan nach sollte unserer aber noch kommen und es schienen ja einige Busse zu unserem Ziel zu fahren.

Als wir dann beide in der Haltestelle saßen, warteten wir. Ein Mann mit eindeutigen mentalen Problemen wartete ebenfalls an der Bushaltestelle. Er lief den Ort hoch und runter, auf und ab. Nebenbei aß er Werbeprospekte und wirkte die ganze Zeit über wahnsinnig panisch. Es schien sein e erste Busfahrt zu sein oder lebte in einem permanenten Zustand von Angst und Unsicherheit. Da er aber sehr kräftig aussah, machte sein Benehmen nicht den Angenehmsten Eindruck auf mich.

 

Wir warteten und warteten und irgendwann war auch die eigentliche Ankunftszeit unseres Busses um 10 Minuten überschritten. Dann um 20. Dann um 30. Gar nicht gut. Wir entschlossen uns weitere 10 Minuten zu warten und ansonsten ein Taxi zu nehmen. Lieber ne teure Japanotaxe bezahlen, als den Flug zu verpassen.

Doch unser Bus kam dann doch noch. Wir und auch der von seinem Geist geplagte Mann, sowie einige unerwähnte Menschen, stiegen ein.

Eine ruhige nächtliche Busfahrt. Die Erleichterung rechtzeitig Flughafen zu kommen. Schön.

Unser seltsamer Mitfahrer blickte sich auf der ganzen Fahrt beständig um und starrte in Dunkelheit wie ein Hund oder eine Katze, die ja trotzdem immer irgendwas interessantes in dem schwarzen Nichts zu erkennen scheinen.

Als wir dann schließlich pünktlich am Flughafen ankamen, war es erst mal ein seltsames Gefühl für mich. Es war der selbe Flughafen von dem ich im Sommer so spontan von meinem dezent missglückten Fukuokabesuch bei Toshi abgeflogen bin. Damals dachte mir so „Was? Oita?“ denn es klang einfach seltsam für mich und es kostete mich über 3 Stunden von Fukuoka bis nach Oita und dann zum Flughafen zu kommen und dann war ich im Winter nochmal dort!

Wir mussten nicht mehr allzu lange auf unseren Flug warten, der Bus hat schließlich etwas an Zeit gestohlen. Dann ging es fluffig nach Narita. Ich mag Fliegen irgendwie. Mein drittes Mal in 2013, dass ich an diesem Flughafen war.

Planmäßig hätten wir von Narita einen Bus genommen und wären dementsprechend nach ca 2 Stunden fahrt am Tsukuba-Center gewesen. Dummerweise mussten wir feststellen, dass keine Busse mehr fuhren. Aber wir konnten noch den letzten Zug aus Tokyo erwischen. Also ab zu den Bahnen mit uns.

 

Hier ein „Siegerfoto“ wie wir in Narita angekommen sind. Wir haben den Trip immerhin überlebt und waren zurück auf Honshu und gar nicht mal so weit entfernt von Tsukuba.

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Drei Züge später hatte Tsukuba zwei seiner Verrückten zurück.

Es war inzwischen Nachts, kurz vor Mitternacht am 30.12.

Damit endete der letzte, gößere Ausflug, von dem ich hier berichten werde.

 

Der erste Teil des Wintersemesters war schon beschissen genug, aber ab 2014 sollte es keinesweg besser werden.

Silvester habe ich allein verbracht. Joseph hatte nach dem Trip Ausgangs- und Besuchssperre von seiner Freundin. So ziemlich alle anderen Menschen war nicht in Tsukuba. Shein hatte mir zwar eine Nachricht geschrieben, dass er für ein Feuerwerk mit seiner Frau und Freunden in eine Nachbarstadt fährt und ich eingeladen bin ihnen beizuwohnen. Aber ich hatte seine neue Telefonnummer nicht und im Internet hat er mir erst eine Woche später zurückgeschrieben.

Punkt 0 Uhr verließ ich gerade den Kombini in der Nähe von meinem Wohnheim. Hinter mir erklang ein euphorisches arigatou gazaimasu, um mein Jahr einzuläuten. Ich habe mich zumindest etwas daran erfreut, dass der Kerl im Kombini so übereifrig war. Alles was er herumgebrüllt hat, klang irgendwie euphorisch und war recht witzig für mich. Sein Mitarbeiter war dezent angepisst und wurde beständig von seinem übereifrigen Vorgesetzten darauf hingewiesen wie man die Kunde euphorischer mit sinnlosen Floskeln vollbrüllen kann. Wie gut dass ich nicht in Japan im Kombini arbeiten muss.

Dieses Marginalerlebnis und das Bier, was ich dabei erworben habe, waren also mein Eintritt in 2014. Ansonsten nur online Karten spielen.

Die nächsten Tage waren sterbenslangweilig. Mehr Karten spielen und ein paar andere games.

Es gab auch noch ein Videoprojekt für meinen Japanischkurs zu beenden.

Jenes Projekt abzuschließen stellte sich als noch unangenehmer als der Kurs selbst heraus.

Mein Projektpartner und ich filmten 4 Personen, bei einem gestellten Interview sowie uns wie wir die Fragen stellen.

Da wir beide weder über die software, noch über das Wissen verfügen ein Video zu editieren, bat ich die Freundin von Baba darum uns dabei auszuhelfen.

Als ich zuerst zu ihr fuhr, stellte sich heraus, dass sie selbst erst mal tutorials gucken muss, um das hinzubekommen. Am nächsten Tag trafen wir uns also noch einmal und es dauerte läppische 13 Stunden, in denen ich einfach nur da saß. Sie hatte keine Maus an ihrem Mac und war unfassbar langsam in der Handhabung des cursors und sogar noch viel langsamer in der Bedienung der Benutzeroberfläche ihres Programms. Hinzu kam, dass sie noch eine ganze Menge weitere Tutorials sehen musste, die aber in Französisch waren. Also weder Baba noch ich konnte aushelfen. Warum kein englisch? Nun … als wir das dritte Filmstückchen reingeschnitten hatten, wurde das Rendern im Programm ruckelig. Ich war der Meinung, dass das Endprodukt nicht ruckeln würde, da das endgültige Rendern bedeutend genauer arbeitet. Baba sah das genauso, aber nicht seine Freundin. Sie durchforsche weder effizient, noch effektiv das Net und ließ kein Stück mit sich reden. Je länger sich das hinzog, desto aggressiver wurde sie, wenn wir sie baten doch einfach einmal die Datei zu rendern, um zu sehen, wie es im Endprodukt aussieht. Fast zwei Stunden hat es gedauert bis sie endlich ausgetickt ist, sich mit Baba gestritten hat, uns anschnauzte, dass wir keine Ahnung von der Materie haben, weil das ihr Programm ist und sie Profi mit Filmen ist und nicht wir. Sie verzog sich auf den Balkon zum rauchen, während Baba und ich auf französischer Benutzeroberfläche unseren Weg zum Rendern suchten und auch fanden. 7 Minuten später präsentierten wir eine ruckelfreie Ausgabe von dem Zusammenschnitt. Zwei Stunden Stress und Zeit umsonst.

Ich bin ihr ja wirklich dankbar, dass mir ausgeholfen hat. Aber es war ein Leidensweg für mich. 13 Stunden subtile, mentale Quälerei.

Noch zu dem Kurs. Es war der Sprechen/Hören Kurs. Wir waren ja viel zu viele Studenten dieses Semester. Deshalb hat der Lehrer die üblicherweise Solo-Videoprojekte als Partnerarbeit aufgegeben. Glücklicherweise war mein Partner, Raido aus Estland, ein fluffiger Typ.

Ihn pisste der Kurs aus guten Gründen an. Unser nutzloser Lehrer ließ die ersten 10 Minuten von allen „Zusammentragen“ wie man ein Interview macht oder sowas und dann gab es „Gruppenarbeit“. Die Informationen am Anfang hätte er uns auch einfach in einer Minute geben können. Es war ohnehin immer Allgemeinwissen und „Gruppenarbeit“ bedeutete darüber zu diskutieren wie wir unser Video machen wollten. Das wiederholte sich jede verdammte Woche aufs neue. Raido kam dann irgendwann einfach nicht mehr. Ich war zwar auch nicht jedes Mal da, aber aus einem mir selber nicht einmal bekannten Grund, ging ich doch öfter mal hin. Gegen Ende hatte ich dann immer ein Buch dabei. Es gab schließlich weder brauchbare Information, noch hatten wir generell irgendwas zu tun und da mir zu allem Überfluss auch noch der „Partner“ fehlte, saß ich nur alleine da. Zwei mal nahm sich mein fantastischer Lehrer auch seine Pseudofürsorglichkeit zusammen und kam mit dem Thema „was machen wir nur ohne Raido jetzt“ zu mir. Ergebnis dazu gabs natürlich nicht.

Im Endeffekt wollte er mir, sowie Raido ein D, also nicht-bestanden, dafür geben, weil wir keine „Gruppenarbeit“ gemacht haben. Wieso ich Schuld bin, ist mir ein großes Rätsel und außerdem kann man die „Gruppenarbeit“ der anderen Gruppe ungefähr so beschreiben: auf englisch über die letzten Ausflüge nach Tokyo rumbrüllen (Lehrer hats ignoriert), schlafen (Lehrer hats ingoniert) oder in diversen Sprachen Telefonieren (Lehrer hats ignoriert).

Ich hatte noch nie schlechteren Unterricht.

Unfähiges-Arschloch-Sensei hat mir und Raido im Endeffekt ein C gegeben. Uns kratzt es beide nicht. Auch ein D wäre mir Schnuppe. Ich kann keine Credits mit nach Deutschland mitnehmen und er auch nicht.

Dabei schien der Lehrer am Anfang so nett zu sein. Naja, vorbei, zu ende, abgeschlossen.

 

Aller Unterricht neben Japanisch war ohnehin schon im Dezember abgeschlossen. Da hätte ich sehr gerne Credits mit nach Halle genommen, aber die entsprechende Professorin in Halle hat den Austausch zu meiner herben Enttäuschung nicht bewilligt.

Die Japanischkurse waren dann auch einen Monat später dran. Prüfungen verliefen nicht allzu schlecht, dafür dass ich das Semester über nichts dafür getan habe. Denn den anderen 2 Lehrern waren wir ebenfalls völlig egal und genauso haben sie ihren Unterricht geführt. Bloß der 4. Lehrer (Schreiben/Lesen) war so in seinen Job versunken, dass er uns so mit Aufgaben zugeschmissen hat, die dazu auch noch thematisch so unangenehm waren, dass die von den anderen Lehrern schon gut abgestumpften Studenten nicht wirklich auf die Idee kamen, seinen Aufgaben nachzugehen.

3 Lehrer versauen uns das Lernen. Einer gibt sich richtig groß Mühe und bekommt den Frust auf die anderen voll ab. Welcome to Tsubuka internation student center language courses 2014.

Ansonsten gab es nichts wirklich für mich zu tun. Ich war noch immer dabei mein Geld zusammenzuhalten. Nur dass meine Reise nach Kyushu mich ganz schön blank gemacht hat. Irgendwie habe ich mit dem Restgeld und einigen Mahlzeiten bei Joseph aber bis zum nächsten Stipendium durchgehalten. Als dann die Rechnungen für Strom, Wasser, Telefon und 4x Monatsmieten kamen, habe ich Anfang Februar direkt mal ein komplettes Stipendium nur für meine Rechnungen rausgedrückt und musste mir Kohle von Joseph leihen.

Wenn ich mal rausging, dann eigentlich auch nur zu ihm auf ein Filmchen.

 

Unsere Lagerfeuerabende am See vor Ichinoya fanden auch ein jähes Ende.

Dieses durchaus falsch datierte Schild im bekannt schlechten Englisch der Japaner, schreckte nun davor ab.

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Selbst die Angaben auf der Meldung sind verfälscht. Wir, die Feuermacher, haben unser Feuer immer sauber ausgemacht und an dem Tag haben wir nicht mal eins veranstaltet. (täte das Jemand anderes, hätte ich von meiner Zimmer aus gehört, ich hör(t)e das immer – leider)

An dem Tag als 3 schmierige Bürokraten an die Feierstelle kamen, sich zu fein sich dreckig zu machen, bin ich auch zufällig gerade dort vorbeigegangen. Angeekelte Gesischtsausdrücke und keiner hat sich gewagt irgendwas anzufassen. Als deren Senpai (der senior) einem der anderen beiden sagte, dass etwas von dem Feuerholz, was wir ordentlich an der Seite aufgestapelt hatten, hochheben sollte, machte er eine regelrechte show daraus mit seiner Fingerspitzen-only-Arbeit.

Die ganze Aktion von den Leuten finde ich wirklich sowas von daneben.

An der Stelle stand auch über Jahre eine große Holzbank. Nicht nur die Studenten aus Ichinoya haben den Ort zum Grillen und Zusammensitzen genutzt, sondern wirklich viele Japaner von außerhalb kamen auch gerne dort hin. Vielleicht sogar mehr als die Anwohner selbst. Und die Bürokratenschaft hat veranlasst, dass selbst die Bank entsorgt wird.

Inzwischen stehen sogar 3 Verwarnschilder an dem See.

 

In Tsukuba schlug dann auch der Winter ein.

Aber knallhart. Wir hatten Rekordschneefall.

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Das war nach dem ersten Schneetag. Es sollte noch zwei weitere geben.

 

Direkt als der erste heftige Schnee kam, gab es zwei Stromausfälle in Tsukuba. Nicht nur Ichinoya, ganz Tsukuba. Da der zweite so um die 40 Sekunden war, gingen die Uni-server down und alle Wohnheime waren ihres Internets beraubt für ca 25 Stunden.

Ich habe dieses Jahr schon zwei dicke Romane durch. Das wäre einer und ein Teil vom anderen pro Monat. An dem Tag ohne Internet war ich so weit, dass ich mit meinem ganzen Equipment zu Joseph gehen wollte. Denn er nutzte kein Uni-Internet.

Mein Glück war: ich traf vollbepackt und so gut wie auf dem Weg eine Deutsche vor dem Haus, die mir gerade hochfreudig mitteilte, dass das Internet seit 5 Minuten wieder da ist.

Ich konnte mich kaum durch den Schnee bewegen und als ich am nächsten Tag einkaufen gefahren bin, musste ich auch feststellen, dass die Gehwege derbe zugefroren waren. Es gab nur dünne Reifenspuren, die wohl entstanden sind, als der Schnee noch frischer war, in denen man sich irgendwie vorschlängeln musste.

Das wäre wirklich kein Spaß gewesen vollbepackt so bis zu Joseph zu fahren. Es ist nicht weit. Aber weit genug.

An jenem Tages der Internetlosigkeit suchten auch andere Studenten nach Tätigkeiten.

So sind eine Vielzahl von Schneeskulpturen und ähnliches entstanden.

 

Die hier genau vor meiner Tür. Eine Gruppe von 4 Kerlen oder so, saß den ganzen Tag daran.

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Das Teil wurde einen Tag später von irgendwem umgekickt. Ich weiß nicht wieso, aber ich musste irgendwie denken, dass es vielleicht die Security war, die es als zu anstößig fand.

Direkt vor meinem Haus hier gab es auch noch eine Pyramiede und noch ein anderes, seltsames Schneegebilde. Aber niemand hat es fotografiert und ich bin ohnehin foto-faul.

 

Das hier, und einiges mehr, fand sich auf dem Campus an.

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Am zweiten Schneetag gab es nur ein kurzes blackout und das Internet war, welch Wunder, nach einer Minute sogar wieder da.

Aber dafür hat sich das Boilersystem von einigen Wohnheimgebäuden verabschiedet. Wenn ich das so erwähne, ist es ja klar, dass meine Behausung dazu zählt. Deshalb bin ich seit Mitte Februar bereits ohne warmes Wasser. Es ist auch nicht so, dass das nicht-warme Wasser kühl wäre oder so. Es ist verdammtes Eiswasser! Wenn ich Geschirr abwasche, spüre ich meistens nach dem ersten Stück schon einen stechenden Schmerz und anbahnende Taubheit in meinen Fingern.

Von zwei der Deutschen Studenten hier weiß ich, dass sie sich allen Ernstes unter dem Wasser geduscht haben. Sie meinten, dass sie es irgendwie stückchenweise gemacht haben, aber es soll derbe bitter gewesen sein.

Als Lösung für unser Problem gibt die Wohnheimleitung kostenlose Badehaustickets für betroffene Studenten aus. Zuerst bin ich zu Joseph gefahren zum Duschen, weil ich ohnehin mal raus wollte aber dann habe ich mich mit dem Badehaus angefreundet. Die Tür dort klemmt jedoch höllisch, was echt nervig ist. Der sound, wenn Jemand einen dieser Hocker bei den Duschen abstellt ist aber echt nice. So typisch Japanisch wie das hohle „klack“ durch den Raum schallt, der ansonsten nur von leichtem Geplätscher erfüllt ist.

Es ist nichtmal schlecht. Zuerst duschen und dann schön heiß baden. An sich wäre es mit 150 Yen auch nicht mal teuer. Aber ohne meine Notlage und ohne dass es kostenlos is wäre ich immer zu faul erst zum community center zu gehen, um mich zu waschen, auch wenn es gleich um die Ecke ist.

Es war vorher schon hochgradig scheiße, dass nur von ~17 bis 0 Uhr eine warme Dusche möglich ist aber jetzt sind die Zeiten sogar auf 18 bis 22 Uhr geschrumpft.

 

Tja… das letzte Ereignis, was ich hier noch festhalten werde ist ein Ausflug, den ich am 21.02. nach Shibuya unternommen habe.

Ein „Bayern Grill“ hat neu eröffnet und für Muttersprachler, die sich vorher anmelden und entweder weiblich, Studenten oder beides sind, war der Eintritt kostenlos. Da jener Eintrittspreis auch schlappe 3000 Yen waren, dachten die beiden anderen Deutschen und ich, dass es dort vielleicht was kostenloses gibt. Außerdem war es eine gute Chance aus Tsukuba rauszukommen. Die anderen beiden hypen Tokyo ohnehin sehr viel.

Pünktlich nach etlichen Tagen, an denen ich absolut gar nichts unternommen habe, wache ich an dem Tag so richtig mies erkältet auf, an dem ich etwas vor habe. Immer wieder dieser Mist…

Es ist nicht so, dass ich diesen Winter schon einmal gesund gewesen wäre. Es war immer eine konstante Marginalerkältung. Ein von mir schwer verhasster Zustand, gegen den ich aber nichts tun kann. Die Umstände von nahezu nutzloser Heitzung und keinem warmen Wasser haben es meiner Erkältung wohl recht leicht gemacht auszubrechen.

Jedenfalls sind wir dann in Shibuya angekommen. Ich mag ja persönlich das(den?) Flair von Tokyo. Es waren noch gut 2,5 Stunden Zeit bis der „Bayern Grill“ öffnen sollte. Adrian, meine Begleitung wollte sich noch einen Tischtennisschläger kaufen und so zogen wir zu einem Tischtennisgeschäft. Ich hatte ja gar keine Ahnung wie heftig teuer so was ist.

Danach, was doch etwas Zeit in Anspruch nahm, trafen wir uns mit Lukas, dem anderen Deutschen, und gingen billig japanisches Fastfood essen. Dann noch ein wenig sinnlos um die Häuser ziehen, um die Zeit zu vertreiben und die beiden haben in einem arcade-center auch noch ein game gespielt.

Als wir so durch die Straßen zogen, schwärmte Adrian fortwährend wie geil der Ort ist und wie obergeil es doch wäre hier zu wohnen. Sein Toyko-hype ist wirklich stark. Zitate wie „in jedem Gebäude hier ist mehr Leben als in ganz Tsukuba“ und „jede Frau hier sieht besser aus als alle in Tsukuba zusammen“ blieben bei mir hängen. Sein hype ging sogar so weit, dass er die Szenerie von Getränkeautomaten in einem Hauseingang nahezu angehimmelt hat. Einfach weil es in Shibuya war.

Die Zeit kam, wir gingen zum Bayern Grill. Er war im 6. Stock eines Gebäudes.

Natürlich waren die Deutschen, die den Laden schmissen, Bayern und bezauberten uns mit ihrer Sprache, die wir drei allesamt überhaupt nicht ab konnten.

Im Endeffekt gab es nicht mal was umsonst. In Japan ist es einfach normal, dass man einen Abend Stammtisch nennt und dann dafür einen Batzen Geld verlangt, ohne etwas besonderes zu bieten. Ein Prinzip, was zu Beginn nach nicht viel Sinn klingen mag. Aber im Endeffekt ist der Eintrittspreis, was die Leute anzieht. Wo die Deutschen wahrscheinlich beleidigt wären, dass sie für ihre Kohle nichts geboten bekommen, ist es für Japaner ganz normal. Sie hatten für ihr Geld Deutsche erwartet und die gab es da zur genüge.

Da ich gerade noch immer in meinem finanziellen Loch sitze und mir mein Stipendium erst nach diesem Wochenende die Rettung daraus gibt, gab Lukas mir ein Löwenbräu aus. Der Kerl hat ohnehin zu viel Schotter.

Nach kurzem sprachen uns drei Japanerinnen an. Zwei von ihnen lernten Deutsch, die andere war einfach nur so da. So das übliche. Man wird immer gefragt, wo man in Japan lebt, wieso man nach Japan gekommen ist und ob als was man mal arbeiten möchte. Adrian, der in dezenter Selbstliebe sehr penibel auf sein Äußeres achtet, hatte damit und in Kombination mit seinem so gut wie perfekten Japanisch in Kürze die Aufmerksamkeit von die meisten Japanern und Japanerinnen, mit denen er sprach. Die anderen Deutschen können den Kerl nicht wirklich leiden. Er hat nicht nur die narzisstische Veranlagung, sondern weigert sich auch wehement Englisch zu sprechen, hat diese übertriebene Liebe für Japan und Toyko und hasst Tsukuba abgrundtief. Aber ich komme ganz gut mit ihm klar.

Meine Erkältung setzte mir an dem Abend gut zu. Trotzdem unterhielt ich mich noch mit einer älteren Frau, die zunehmend betrunkener wurde. Es war nicht sehr interessant.

Dann fragten mich zwei weitere, nicht sonderlich junge Frauen, wo ich denn her komme und wir kamen ins Gespräch. Die eine sagte zwar nie was, aber die andere war durchaus eine belehrte Person und wir unterhielten uns den Rest Abends über Japan und Deutschland. Sie hatte früher auch mal am Goethe-Institut Deutsch gelernt und konnte es immer noch besser als etliche Studenten in Tsukuba, die im Deutsch-Club versuchen Vorträge zu halten.

Lukas schleppte an dem Abend noch 2 mal Japaner zu mir mit dem Kommentar „Hier, die wollen Deutsch sprechen, rede mal.“ … wieso ich? Es ist ja nicht so, dass er auch Deutschsprachler wäre.

Ansonsten bekam ich von meiner Gesprächspartnerin noch ein Bier spendiert und Lukas überließ mir, „dem Armen“, 500 Yen nachdem ich ihm ein Bier geholt hatte. Ich habe kein Problem Kleingeld anzunehmen. Aber so klein sind 500 Yen nun auch nicht. Eine nette Mahlzeit!

An diesem Abend habe ich wahrscheinlich das letzte Mal so wirklich Japanisch geübt und zweifelsohne mehr Japanisch gesprochen, als in dem ganzen Semester in meinem Japanischunterricht. Hätte ich ein weiteres Semester in den selben Kursen gehabt, wäre an dem Abend trotzdem noch mehr Sprachpraxis zusammengekommen. Traurig, Tsukuba, traurig.

Auch wenn es mir am Ende nicht sonderlich prickelnd ging, vor allem nach den zwei Stunden fahrt bis nach „hause“, so war es trotzdem sehr nett dort. Die Musik war übrigens bayrisches Jodel-Gedudle. Richtig mieser shit. Aber es war laut genug, dass man den Mist nicht hören musste.

Wäre ich länger in Japan, hätte ich mir gewünscht, dass ich öfters mit Leuten wie denen, die ich dort angetroffen habe, reden könnte. Aber nunja, mir ist das in meiner jetzigen Lage so ziemlich Bockwurst, denn in Kürze bin ich aus dem Land raus und sehe mich bisher nicht in einer Perspektive, in der ich Japanisch nochmal zum Einsatz bringen müsste, außer vielleicht für Bargespräche oder sowas.

 

 

An sich wollte ich mich noch mit meinen Freunden aus Kita-Senju treffen, die ich aus Deutschland kenne. Aber inzwischen ist es zur absoluten Normalität geworden, dass Japaner mich generell und so gut wie jedes Mal einfach sitzen lassen und enttäuschen. Von daher können die mich alle mal gewaltig. Einem schulde ich noch Geld und das sieht er auch noch wieder. Dann wars das.

 

 

So endet dieser Blog. Sollte etwas unerwartetes, awesometastic, fantastilicous whatever passieren, behalte ich mir vor noch darüber zu berichten. Außerdem folgt ja auch in Kürze noch ein kleines food-feature als Abschluss.

 

Jeden Beitrag mit Katzen, Memes und/oder Katzen-memes zu beenden war mir eine große Freude.

 

 

Was ich mir übrigens ungefähr erhoffte habe über das Jahr zu schreiben:

funny-wtf-wheelchair-gun-cross-dress

 

Und was ich mir für Reaktionen erhofft habe:

cat_wtf

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Da ich von Anfang bis Ende außerdem keine Korrekturlesung gemacht habe, sind alle Fehler frei zum Mitnehmen, aber ohne Rückgabe.

meme1

 

 

Die Leute, denen mein Blog nicht gefallen hat, lesen ohnehin schon lange nicht mehr. Auch wenn unter jenen Leuten auch einige von denen waren, die mich motiviert haben das hier zu schreiben.

Für mich ist das indirekter facepunch mit nicht sehr angenehmer Botschaft

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Aber nunja…

i-dont-care-but-when-i-no-i-dont-care

 

Ich würde mich trotzdem freuen, wenn es viele Leute bis zum Schluss lesen. Genauso über mehr feedback würde ich mich ebenfalls freuen. Bald ist Gras über alles gewachsen und dann gehe ich ohnehin wieder in don’t-care-mode .. „Aha, der Blog, hm?“

 

Vielleicht sollte ich das hier mit einer Weisheit beenden?

In+the+shower+Power+goes+out.+please+don+t+let+it_0e3699_4268915

Stimmt …

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Byebye Welt der veröffentlichten Wörter. Vielleicht sehen wir uns mal wieder.

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